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Feindbild Islam?

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Artikel aus der Januarausgabe 2010 der "Al Umma-Gemeinschaft"

Wenn man in den Medien die Berichterstattung über den Islam verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen, dass hier nicht über eine Religion, sondern über eine Organisation gesprochen wird, die ausschließlich damit beschäftigt ist, Terroranschläge zu verüben, Gewalt zu verbreiten und Frauen zu unterdrücken. Doch woran liegt das?

Schaut man sich die Berichte der verschiedenen Fernsehsender und der Zeitungen genauer an, wird schnell klar, warum das so ist. Es liegt an der einseitigen Themenauswahl: Bombenanschlag in xy, Ehrenmord, Terrorzelle in xy ausgehoben und jedes Jahr eine Kurzmeldung darüber, dass der Ramadan begonnen hat oder die Zeit der Hadsch (Pilgerfahrt). Sehr selten findet man seriöse Beiträge, die einen genauen Einblick in die Welt des Islams geben. Ein Grund dafür ist sicherlich die Unkenntnis vieler Journalisten. Sie wissen teilweise nichts über den Islam und greifen auf die üblichen Klischees zurück. Denn immer wieder hört man im Zusammenhang mit Terroranschlägen das Wort "Islamisten". Was bitte ist ein Islamist? Wir sind Muslime, keine Islamisten oder Mohammedaner (wie wir auch oft fälschlicherweise bezeichnet werden) und der Islam ist unsere Religion. Alhamdulillah! Wenn im Ausland z.B. deutsche Autoschmuggler verhaftet werden, dann heißt es dort auch nicht: "die Biblisten, Christen, Katholiken" oder Ähnliches.

Warum ist bisher niemand auf die Idee gekommen, über die Muslime hier zu berichten, die wertvolle Beiträge für das Leben in Deutschland und den deutschen Staat leisten? Ja, diese gibt es. Denn 3,2 Millionen Muslime in Deutschland sind nicht etwa alles ungebildete, nicht der deutschen Sprache mächtige Schläfer, Terroristen oder Ähnliches. Es gibt unter uns genauso ÄrztInnen, ProfessorInnen, AnwältInnen, LehrerInnen und und und. Viele muslimische Eltern fördern ihre Kinder in der Erziehung und im schulischen Bereich genau so wie Nichtmuslime. Sie versuchen es zumindest, stoßen aber leider immer wieder auf Hindernisse seitens der Erzieherinnen oder Lehrer, die durch die Negativschlagzeilen schon eine vorgefasste Meinung über Muslime haben. Diese dann aber vom Gegenteil zu überzeugen ist leider nicht immer von Erfolg gekrönt. Leidtragende sind im Endeffekt die Kinder. Denn die Zahlen derer, die ein Gymnasium besuchen, sind gering.

Diese dauerhaft negative Berichterstattung und diverse Websites und Foren im World Wide Web haben in Deutschland dazu geführt, dass viele Menschen Angst vor dem Islam haben oder sich sogar Hass aufgestaut hat. Die Folgen des Hasses haben wir am aktuellen Beispiel von Marwa El-Sherbini gesehen. Vielen muslimischen Frauen, die ein Kopftuch tragen, werden auf schlimme Art und Weise Beschimpfungen zugerufen; sie werden ausgelacht aber auch bemitleidet als "unterdrückte Frau". Der Islam unterdrückt Frauen nicht, sondern sieht in ihnen gleichberechtigte Partner für den Mann. Ja, es gibt Stellen im Quran, in denen das anders erscheinen mag wie zum Beispiel beim Erbrecht, aber dem ist nicht so. Die scheinbare Ungleichbehandlung rührt daher, dass der Mann mit seinem Erbe seine ganze Familie unterstützen muss, die Frau ihr Erbteil jedoch frei

verwenden darf, wofür auch immer sie will. Wenn die Journalisten, Medienmacher, Politiker und auch die nichtmuslimischen Bürger "von der Straße" offen und ohne Vorurteile auf die Muslime zugehen würden und sie zur eben genannten Erbrechtsache oder anderen Themen befragen würden, wären sie sicher überrascht, wie freundlich, offen und ehrlich man ihnen begegnen würde. Denn jeweils einige Suren aus dem Quran zu zitieren und dann als Beweis für einen Islam anzuführen, der Frauen unterdrückt und zum Dschihad aufruft, zeugt nur davon, dass diese Personen keine Kenntnisse über den Islam besitzen. Denn es ist unbedingt

erforderlich zu wissen, in welchem Zusammenhang diese Suren stehen.

Natürlich gibt es, wie in allen Religionen und Ländern auch, die so genannten schwarzen Schafe: Muslime, die im Namen des Islams Verbrechen begehen und auch gewisse Machtpositionen besitzen. Sei es als Staatsführer oder Geschäftsmann. Doch diese Menschen sollten niemals als repräsentatives Bild eines Muslims oder des Islams gelten: nicht in den Medien und schon gar nicht in den Köpfen der Menschen

"O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander kennen lernen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist."[Quran, Sure 49:13]

Latifa Tertag

 

Quelle: http://alumma.wordpress.com/2010/02/04/feindbild-islam/

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 20. Februar 2011 um 14:41 Uhr  

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